CGRP (Calcitonin-gene-related polypeptide) - Neue Substanzen für die Akuttherapie der Migräne ohne vasokonstriktiven Effekt in der Entwicklung
 
F. Riederer, P. S. Sándor, T. Sprenger / Februar 2013    

Die Anwendung der Triptane in der Akutherapie der Migräne ist auf Patienten mit gesundem Herz-Kreislaufsystem limitiert. Triptane sind aufgrund vasokonstriktiver Eigenschaften bei koronarer Herzkrankheit, pAVK oder nach einem ischämischen Schlaganfall kontraindiziert. Auch bei vaskulären Risikofaktoren, wie z.B. unkontrollierter arterieller Hypertonie werden Triptane nicht empfohlen.

Verschiedene Substanzen ohne vasokonstriktive Eigenschaften befinden sich in der Entwicklung. Dazu gehört die neue Substanzklasse der sogenannten CGRP-Rezeptor-Antagonisten. Das körpereigene Eiweiss CGRP spielt vermutlich eine wichtige Rolle in der Entstehung der Migräne. Es kommt im Ganglion trigeminale vor und wirkt erweiternd auf cerebrale und durale Gefässe. Während Migräne- und Clusterkopfschmerzattacken wurden erhöhte Konzentrationen von CGRP im Jugularvenenblut gemessen. Antagonisten des CGRP-Rezeptors wurden zur Migränetherapie entwickelt.

CGRP-Rezeptor-Antagonisten zeigten Wirksamkeit bei Migräneattacken: In einer randomisierten doppelblinden placebokontrollierten Studie (1) war eine i.v. – Applikation des CGRP-Antagonisten Olcegepant wirksam. Der oral applizierte CGRP-Antagonist Telcagepant war in einer randomisierten doppelblinden kontrollierten Studie in Dosierungen von 300-600 mg ähnlich wirksam wie Rizatriptan 10 mg und wirksamer als Placebo (2). In einer randomisierten kontrollierten Studie (3) war 300 mg Telcagepant genauso wirksam wie 5 mg Zolmitriptan und wirksamer als Telcagepant 150 mg oder Placebo. In dieser Studie wurden 699 Patienten mit Telcagepant behandelt.
Aufgrund von Leberwerterhöhungen bei einer geringen Anzahl von Patienten im Studienprogramm wurde die Entwicklung dieser Substanz von der Firma nicht weiterverfolgt.
Firmen sind allerdings weiterhin dabei, Substanzen mit dem gleichen Wirkprinzip zu entwickeln.

Eine weitere Substanz ohne gefässverengende Wirkung, allerdings mit anderem Wirkungsmechanismus als die CGRP-Antagonisten, ist Lasmiditan (COL-144).
Diese Substanz wirkt wie die Triptane an Serotoninrezeptoren, allerdings spezifisch nur am 5-HT1F Subtyp. Dadurch ensteht nach bisherigem Kenntnisstand eine Akutwirkung bei Migräneattacken ohne Gefässverengung (4).

Verschiedene Universitäten und pharmazeutische Unternehmungen sind aktiv in der Entwicklung verschiedener Arten neuer innovativer Migräneakutmedikamente. Allerdings werden wir wohl noch einige Zeit warten müssen, bis unsere therapeutischen Optionen hierdurch im Alltag erweitert werden.


Ausgewählte Referenzen:

1.    Olesen J, Diener HC, Husstedt IW, et al. Calcitonin gene-related peptide receptor antagonist BIBN 4096 BS for the acute treatment of migraine. N Engl J Med 2004;350:1104-10.

2.    Ho TW, Mannix LK, Fan X, et al. Randomized controlled trial of an oral CGRP receptor antagonist, MK-0974, in acute treatment of migraine. Neurology 2008;70:1304-12.

3.    Ho TW, Ferrari MD, Dodick DW, et al. Efficacy and tolerability of MK-0974 (telcagepant), a new oral antagonist of calcitonin gene-related peptide receptor, compared with zolmitriptan for acute migraine: a randomised, placebo-controlled, parallel-treatment trial. Lancet 2008;372:2115-23.
 Efficacy and tolerability of lasmiditan, an oral 5-HT(1F) receptor agonist, for the acute treatment of migraine: a phase 2 randomised, placebo-controlled, parallel-group, dose-ranging study. Efficacy and tolerability of lasmiditan, an oral 5-HT(1F) receptor agonist, for the acute treatment of migraine. Lancet Neurol. 2012 May;11(5):405-13.